Die Prinz-Eugen-Kaserne




Im Jahr 1964 wurde Külsheim zum ersten Mal in seiner Geschichte Garnison. Bereits im Dezember 1957 gab der Gemeinderat die Zustimmung zur Aufhebung des Zusammenlegungsverfahren Hof Wolferstetten im Rahmen der Flurbereinigung. Im Gemeinderatsprotokoll vom 7. November 1958 sind bereits die ersten Verkäufe von Grundstücken der Gemeinde an den Bund belegt. Bis ins Jahr 1960 erstreckte sich die Verkaufsverhandlungen der Gemeinde mit privaten Eigentümern. Für den Bau der Kaserne mußten im Gewann Kleiner Schmollert und Riedflürle 45 Hektar Gelände vom Bund erworben werden. Mitte 1960 waren die Vorarbeiten abgeschloßen. Am 9. Januar 1961 wurde mit den Tiefbauarbeiten begonnen. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde nahm der damalige Bürgermeister, Erhard Junghans, den ersten Spatenstich vor. Im Sommer 1961 begannen die Hochbauarbeiten und nach fast zweieinhalbjähriger Bauzeit konnte am 28. März 1963 Richtfest gefeiert werden. Ein Jahr später bezogen die ersten Soldaten ihre neue Unterkunft. Im Einvernehmen mit der Bevölkerung nannte man die fertiggestellte Kaserne
Prinz-Eugen-Kaserne.

Der Name soll erinnern an den österreichischen Feldmarschall Prinz Eugen von Savoyen (1663-1756). Ein einzigartiger Lebenslauf kennzeichnete diesen Soldaten, dessen Name vor allem für Mut, Tapferkeit und Durchsetzungswillen stand. Der kleine, schwache Knabe wurde, da man nichts rechtes mit ihm anzufangen wußte, von frühester Jugend an für den geistlichen Stand bestimmt. Sein zielstrebiger Ehrgeiz und sein ungeheurer Wille bäumten sich im Innersten dagegen auf. Gleich dem Vater, den Eugen schon als
10-jähriger verlor, wollte er Offizier in der ruhmreichen Armee des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., werden. Die Ablehnung seines Wunsches durch den Sonnenkönig persönlich, die Eugen sehr traf, sowie dessen höhnische Bemerkung, er tauge allenfalls als kleiner Abbé, veranlaßten den Prinzen, Paris spontan zu verlassen und dem Habsburger Kaiser, der sich wegen des Türkenansturms von Wien nach Passau abgesetzt hatte, seine Dienste anzubieten. Als Freiwillige machte Eugen die Entscheidungsschlacht am Kahlenberg mit. Erst nach Bewährung im Kampf ernannte ihn der Kaiser zum Oberst und übertrug ihm ein neu aufgestelltes Dragonerregiment. Weniger mit Drill als vielmehr mit großem menschlichen Einfühlungsvermögen schuf der junge Kommandeur binnen kurzer Zeit einen Korpsgeist, der als Bindemittel zwischen Führer und Truppe auch den höchsten Belastungsproben in den Kämpfen um Ofen 1684, Gran und Belgrad 1688 standhielt. Klare Entschlossenheit, unbeirrbare Konsequenz und persönlicher Schneid empfahlen den Prinzen bald zu höheren Führungspositionen. 1690 befehligte er im Krieg zwischen Österreich und Frankreich erfolgreich ein Korps. 1697 schlug Rüdiger von Starhemberg den 34-jähriger als Oberbefehlshaber im Türkenkrieg vor, da es keinen gebe, der "mehr Verstand, Experienz, Applikation und Eifer" für diese Aufgabe mitbringe. Die Menschen und ihre Verhältnisse zu begreifen, war Eugens großes Naturtalent. In Kürze reorganisierte er die völlig heruntergekommene kaiserliche Armee und stärkte ihren Kampfgeist so sehr, daß sie im gleichen Jahr, bei Zenta an der Theiß, das zahlenmäßig weit überlegene türkische Heer vernichtend schlug. Im spanischen Erbfolgekrieg wurde der Ruhm Prinz Eugens als Koalitionsfeldherr in Italien, Süddeutschland, Belgien und am Oberrhein begründet. Die Schlacht von Höchstadt (1704), die er zusammen mit englischen Truppen gegen die Franzosen schlug, verlief nach seinen Plänen. Aber in selbstloser Bescheidenheit überließ er Marlborough, der die englischen Truppen befehligte, den Ruhm des Sieges. Als dem französischen Hegemonialstreben im Westen Einhalt geboten war, drohte erneut im Osten die Türkengefahr. In raschen Feldzügen eroberte Eugen 1716 Peterwardein, Temesvar und Belgrad. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Siegesnachricht durch das christliche Europa. Das Lied auf Prinz-Eugen, den "Edlen Ritter", den heimlichen Kaiser, kam nicht mehr zum Verstummen.

In den Jahren, in welchen Prinz-Eugen nicht im Feldlager, sondern in der Hauptstadt Wien war, pflegte er die Freundschaft mit den großen Geistern seiner Zeit und förderte unter anderem die Arbeit von Leibnitz. Sein Schloß Belvedere war zum Mittelpunkt von Kunst und Wissenschaft geworden. Durch den regen Gedankenaustausch und durch seine Freundschaften wurde er sich bewußt, daß der Friede nicht auf den Spitzen der Bajonette, sondern im Herzen der Völker aufgebaut werden mußte.

Mit Einnahme der Heeresstruktur 5 ist die Garnison Külsheim der einzige Panzerstandort in
Baden-Württemberg. Vom ehemaligen Brigadekommandeur, Brigade General Gudera, angeregt, nennt sich die Garnison Külsheim jetzt auch "Panzerzentrum Südwest".





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Publiziert am: Montag, 10. Januar 2011 (940 mal gelesen)
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