
Der Stationierungsraum - Das Madonnenland![]() Die Garnisonen der Panzerbrigade 36 lagen in den ersten 30 Jahren ihres Bestehens in Walldürn, Külsheim und Bad Mergentheim und damit im Baden-Württembergischen Frankenland. Landschaft Das Baden-Württembergische Frankenland ist ein sanft
hügeliges, mit vielen Feldflächen durchzogenes Land, dessen Wahrzeichen
die vielen Bildstöcke und Heiligenbilder in Feld und Flur sind. Nicht
zuletzt diese meist barock anmutenden Mariendarstellungen verliehen dem
Land den Beinamen: "Das Madonnenland". Es schmiegt sich östlich
an den Odenwald und ist nur noch ein bescheidener Teil des ehemaligen
stattlichen Herzogtums Franken, das Mitte des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nationen darstellte. Die Garnisonen liegen in einem
Landschaftsviereck, umrahmt von malerischen Flußtälern; im Westen der Neckar, der sich durch den Buntsandstein nagt, im Süden die Jagst, die sich durch harte Wellenkalkbänke beißt, im Osten die Tauber, die sich in meist freier Laune dahinschlängelt und im Norden der Main, der Odenwald von Spessart trennt. Die Landschaft verändert sich von West nach Ost, steigt stufenförmig vom Neckar bis zum Odenwald an und zum Main hin wieder ab. Während an den Eckpunkten dieses Madonnenlandes betriebsame Städte liegen wie Wertheim, Bad Mergentheim, Mosbach und Miltenberg, geht es sonst eher beschaulich zu. Geschichte 81-96 n.Chr. setzte Domitian seine römischen Legionäre vom Neckar aus zum Main in Marsch. Nach kurzer Zeit zog sich durch den Westteil des fränkischen Bauernlandes eine Verteidigungszone, Kultur hielt Einzug; später mit Bau des Limes Mitte des 2. Jahrhunderts, der sich in schnurgerader Linie von
Miltenberg über Walldürn nach Süden zog und dem zum Teil feudale
Siedlungsplätze folgten. Jenseits dieses Grenzwalls stauten sich mehr
und mehr die Völker Germaniens, die im Zuge der Heerwanderung von ihren Altsiedelplätzen vertrieben worden waren. Im Jahre 260 überrannten alemannische Stämme den Limes und errichteten neue und einfachere Siedlungsplätze. Gänzlich
gemischt wurde der Landstrich, nachdem - beginnend ab dem Jahre 496 -
die salischen Franken unter Chlodwig und danach die Thüringer die Alemannen zurückdrängten. Das 8. Jahrhundert brachte die Christianisierung. Im Jahr 741 errichtete Winfried, genannt Bonifatius, das Bistum Würzburg. Mehrere Klostergründungen wie Tauberbischofsheim, Mosbach oder Amorbach folgten. In den nächsten Jahrhunderten streckten verschiedene Fürstenhäuser und Grundherren ihre Arme besitzergreifend ins Frankenland aus, bis im Jahre 1476 Hans Böheim, ein fahrender Pfeifer, die Flamme des Aufstandes wider Frongewalt und Fürstenherrlichkeit entfachte. Daraus entstand fast 50 Jahre später die große Massenbewegung des Mittelalters, der Bauernkrieg. Am 2. Juni 1525 wurde der Aufstand der mit einfachen Waffen kämpfenden, in Eifer heiß erglühten Revolutionären Frankens durch die wohlgerüsteten Truppen des Schwäbischen Bundes unter Jörg Truchseß von Waldenburg zu Königshofen blutig niedergeschlagen. Über zwei Jahrhunderte sollte der Landstrich, in dem heute die Panzerbrigade 36 stationiert ist, durch Protestantentum, Truppendurchzüge und Erbfolgekriege nicht mehr zur Ruhe kommen. Erst im 18. Jahrhundert begann das Frankenland, nun nicht mehr Zankapfel und Streitplatz der Herren vieler Länder, sich zu erholen. Doch dann überrollte das Madonnenland die alles nivellierende Wucht staatlicher Neuordnung der napoleonischen Zeit ab 1803. Das fünffach zerrissene Land geriet in staatliche Vergessenheit. Notjahre durch Mißernten führten dazu, daß von 1871 bis 1939 die Einwohnerzahl sich nur um 300 Menschen vermehrte. Viele Franken wanderten aus, vor allem nach Übersee. Besonders bemerkbar machte sich dies im Bruderkrieg zwischen badischen und preußischen Truppen im Jahr 1866. 20. Jahrhundert - zwei Weltkriege bewegten Europa. Die Menschen wirbelten durcheinander und suchten Schutz und Geborgenheit im Madonnenland. Zuerst aus dem Rheinland, später aus den Ostgebieten, zogen Flüchtende zu. Die Bevölkerungszahl schnellte in die Höhe, ein Notprogramm wurde erstellt und eine Umstrukturierung der wirtschaftlichen Verhältnisse fand statt. Nicht mehr das Bestellen der Felder sollte das Fränkische Tagwerk bestimmen. Das mittelständische Handwerk blühte auf. Es ging wieder aufwärts.
Publiziert am: Montag, 10. Januar 2011 (409 mal gelesen)
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